Monjukli Depe
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Grabungsalltag in Meana

Alltag im Feld

Ein typischer Grabungstag beginnt bei uns lange vor Sonnenaufgang.

Gegen 5 Uhr schälen sich die Ersten aus ihren Schlafsäcken, um sich um 5.30 Uhr beim kleinen Frühstück im Mondschein auf der Terrasse vorm Haus einzufinden. Nach einem Keks und einer Schale grünem Tee laden wir unsere Arbeitstaschen, Nivelliergeräte usw. in den Bus und fahren hinaus zum Hügel. Das ist wahrscheinlich der stillste Moment des Tages, da die meisten sich von der etwa fünfzehn-minütigen Fahrt ein power napping erhoffen.

 

Morgendlicher ArbeitsbeginnAushubarbeiten auf dem Hügel

 

Am Monjukli Depe angekommen, erwarten uns schon Aqajan, unser Grabungswächter, für den jetzt Feierabend ist, und unsere Arbeiter, die uns tatkräftig beim Entladen des Wagens helfen. Nachdem die Anwesenheit zwecks späterer Lohnauszahlung kontrolliert wurde, kann die Arbeit um 6 Uhr, im Morgengrauen, und noch warm eingepackt, beginnen.

Zu Beginn der Grabung wurden die Arbeiter so auf die Schnitte verteilt, dass Erfahrene, die schon in vorigen Jahren mitarbeiteten, mit neu Angestellten zusammenarbeiten, um sich gegenseitig zu helfen. Große 10x10m Schnitte werden normalerweise in vier Quadranten unterteilt, wobei in zwei bis drei Schnitten täglich gearbeitet wird. Wir arbeiten gemeinsam mit den Arbeitern in den verschiedenen Quadranten. Ein oder zwei Arbeiter sind mit dem Sieben der Erde beschäftigt, was eine besondere Schulung des Auges zum Auffinden auch kleinster Funde voraussetzt, wie zum Beispiel Lithik oder ungebrannte Tonobjekte.

 

Stationieren mit dem TachymeterFrühstück im Zelt

 

Kurz nachdem der Mond hinter dem Kopet Dag Gebirge versunken ist, steigt am Osthorizont die Sonne auf und wir bemühen uns, möglichst schnell unsere Pullover und Schals gegen Hut und Sonnenbrille zu tauschen, da die Temperatur schnell ansteigt und die eben noch klar gesehenen Farbunterschiede der Befunde nach einer weiteren Stunde bald in einem sandfarbenen Einheitsbrei verschwimmen.

Untersuchung der StratigraphieDas Knurren unserer Mägen weist uns darauf hin, dass es Zeit für das zweite, etwas ausgiebigere Frühstück um 9.30 Uhr ist. Ein über den Hügel schallendes "Arakesme" (turkmenisch für "Pause") ist meist gefolgt von freudigen Rufen. In unserer Jurte am Rande des Hügels lassen wir uns dann bei (zu dem Zeitpunkt noch) kühlem Wasser und grünem Tee nieder, um Fladenbrot mit Käse, Dosenfisch, Gurken oder Tomaten sowie Schokokrem und, an besonders guten Tagen, Eiern und Erdnussbutter zu genießen. Dabei tauschen wir uns über die neuesten Funde und Befunde in unseren Schnitten aus. Zum Schluss gibt es noch eine Runde Kekse, Nüsse und Rosinen, gefolgt von einem wieder schallenden "Arakesme bitti" ("Pause ist zu Ende") und der Erkenntnis, dass es in dieser halben Stunde merklich heißer geworden ist.

Bestand der erste Teil des Grabungstages meist aus dem Bewegen von Erde, gilt es in der zweiten Hälfte, die neuen Befunde zu vermessen und zu zeichnen, sowie die Funde der einzelnen Kontexte nach Fundgattung (d.h. Keramik, Lithik etc.) zu sortieren und zu beschriften. Am Wichtigsten für die spätere Dokumentation ist das korrekte Eintragen der neuen Loci in die Locuslisten, sowie der Fundgattungen in die RN-Listen.
Gegen 13 Uhr schallt der letzte Ruf des Tages über den Hügel: "Bittiiiiiii" (etwa: "Feierabend!"), wir räumen gemeinsam das Werkzeug zusammen und bringen die Funde zum Bus.

 

Messarbeiten

 

Das Wetter in Meana variiert von sehr kühl (nachts und vor Sonnenaufgang), über heiß und windstill (sehr quälend!), heiß und windig/stürmisch (die bessere Wahl!, doch hier scheiden sich die Geister) bis hin zu Sandsturm, der so scharf sein kann, dass er uns das Arbeiten auf dem Feld unmöglich macht. In diesem Fall müssen wir die verlorene Zeit stundenweise wiederaufarbeiten. Gegen Ende der Saison kann es auch tagsüber durchaus kühl werden, sogar vereinzelt schauern, sodass wir für jede Witterung passende Kleidung einpacken müssen. Ein stärkerer Regenguss würde die Befunde und Profile irreparabel schädigen; deshalb decken wir diese bei Regengefahr mit Plane ab. Ein Vorteil des normalerweise in der zweiten Septemberhälfte einsetzenden Regens ist jedoch, dass sich die Mauern der nicht ausgegrabenen Bereiche deutlich von der umgebenden Erde abheben.

 

Überblicksfoto nach OstenBesuch des russischen Grabungsteams und turkmenischer Studentinnen


Wohnhaus der Familie mit Außenbett und Außendusche (blau)

Grabungsalltag im Haus

Nicht alle GrabungsteilnehmerInnen arbeiten durchgängig auf dem Feld. Auch im Haus gibt es wichtige Arbeit, die getan werden muss. Eine Person flotiert beispielsweise die meiste Zeit über die unzähligen Erdproben, die aus bestimmten Kontexten genommen werden (siehe -> Flotation). Dann gibt es noch sogenannte Springer, die die Hälfte der Saison im Feld arbeiten, und die andere Hälfte Funddokumentation betreiben und im Rahmen dessen z.B. Keramik aufnehmen (siehe -> Dokumentationssysteme).

Kommt das Grabungsteam vom Feld, werden zunächst die Fundtüten in die entsprechenden Kisten sortiert (Knochen, Keramik, Felssteingeräte, Lithik, Kleinfunde, Architekturproben, Brandlehm, Flotationsproben und andere Proben, beispielsweise C14).

Unser Wohnhaus in MeanaDer Hof mit unserem Arbeitshaus

 

Nachdem wir uns den gröbsten Staub aus dem Gesicht gewaschen haben, versammeln wir uns zum Mittag, welches unsere Köchinnen bereits liebevoll zubereitet haben. Meistens gibt es Suppe und Salat, dazu Fladenbrot. Anschließend versuchen die meisten, eine freie Dusche zu ergattern und halten eine kurze Mittagsruhe.

Arbeit im HausZwischen 15 und 16 Uhr beginnt die Arbeit am Nachmittag mit Kaffee, Tee und Keksen. Da jeweils zwei Personen einen Schnitt betreuen, kann die Arbeit geteilt werden. Eine Person beschäftigt sich nachmittags mit der Dokumentation: Die Einträge aus dem Feldnotizbuch werden verschriftlicht ins Grabungstagebuch übertragen, wobei man nochmals Zeit hat, über die morgendlichen Ergebnisse zu reflektieren, Interpretationen vorzuschlagen und die Arbeit des morgigen Tages zu planen. Daneben wird die RN-Liste in die entsprechende Excel-Tabelle eingetragen, neue Locus-Sheets angelegt oder vervollständigt, die Pläne fertig gezeichnet und die Höhenmessungen ausgerechnet. Die andere Person bearbeitet eine zuvor zugewiesene Fundkategorie. Diese Arbeit teilen sich die SchnittpartnerInnen im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Wechsel.

Dass sich der Arbeitstag dem Ende neigt, wird durch ein ganz spezielles alltägliches Ritual gekennzeichnet: Pünktlich um 18 Uhr kommt die hauseigene Kuh von ihren Streifzügen durch die Steppe heim, reibt sich an einem der Bäume am Tor, um anschließend laut muhend den Hof zu durchschreiten. Für uns heißt das: bald gibt es Essen!

Bei Einbruch der Dunkelheit, was gegen 19 oder 19.30 Uhr ist, beenden wir die Arbeit und freuen uns auf ein warmes Abendbrot und ein Glas Berk (das turkmenische Bier). Nach dem Essen gibt es häufig eine Besprechung des Tages, während der wir Fortschritte und Probleme diskutieren. Vor dem Schlafengehen packen wir unsere Arbeitstaschen für den nächsten Tag, kontrollieren Fundtüten und Behältnisse für Proben oder erledigen letzte Arbeiten des Tages.

Versuche, im Bett zu lesen enden meist mit dem baldigen Eintritt des Schlafs, während der Mond über die Steppe zieht.

 

Einkaufsbummel entlang Meanas HauptstraßeDromedare im Garten

Müde von der Arbeit